Kurzgeschichte: Scherbenherz

„Was willst du?“, frage ich wütend noch bevor er überhaupt bemerkt hat, dass ich ihn bemerkt habe. Abrupt schnellen seine Augen zu mir, die wenige Sekunden vorher noch vorsichtig den Raum abgesucht haben.
Verlegen verlagert er sein Gewicht von einem Bein aufs Andere und fährt sich hilflos mit der Hand durch die Haare. Das tut er immer, wenn er unsicher ist und unter anderen Umständen würde ich es unglaublich süß finden, doch gerade bin ich nicht mal in der Lage ein Küken süß zu finden. „Ich… es tut mir leid, das musst du mir glauben! Ich wollte nicht…“
Was er nicht wollte bleibt unausgesprochen in der Luft hängen. Er schaut mich einfach nur verlegen an und scheint darauf zu hoffen, dass ich weiß was er meint und somit nicht weiterreden muss. Natürlich weiß ich was er meint, zumindest weiß ich ein Teil, aber den Gefallen tue ich ihm nicht. Dazu bin ich zu verletzt und aufgewühlt.
„Benny, komm schon, es tut mir wirklich leid!“
„Nenn mich nicht Benny!“, zische ich ihn an und verenge dabei meine Augen zu schlitzen.
Schon fast genervt, auch wenn er dazu kein Recht hat, seufzt er auf: „Benny… ist ja gut, dann halt Bennika… was kann ich tun, um dir zu beweisen, dass es mir leid tut? Ich würde alles tun, wirklich!“ Ich mustere ihn mit hochgezogener Augenbraue, denn ich weiß, dass nie im Leben alles tun würde, um mir zu beweisen, dass es ihm Leid tut. Dazu kenn ich ihn einfach schon zu gut. „Benny“ Ich funkle ihn böse an. „Bennika, bitte! Ich liebe dich!“
Ungewohnt hohl und schrill lache ich auf und an seinen weitaufgerissenen Augen sehe ich, dass nicht nur ich meine Lache gruselig finde. „Bist du dir da wirklich sicher? Weil ich an deiner Stelle würde mir jetzt wirklich gut überlegen, was du sagst. Weißt du, das ist jetzt deine Chance.“
Ich mache eine Pause und gerade als er ansetzt etwas zu sagen schneide ich ihm das Wort ab: „Dein Chance, um zu gehen! Jetzt wäre der richtige Moment, um dazu zu stehen, dass du keine Gefühle mehr für mich hast, weil jetzt gerade kann mein Herz nicht noch mehr geteilt werden.“, meine Stimme bebt mittlerweile und ich bin mir nicht sicher, wie lange ich es noch schaffe die Tränen zurückzuhalten. Und ich weine nie. NIE! „Aber sollte ich dir noch einmal verzeihen und du merkst in einem Monat oder in einem Jahr oder wann auch immer, dass du das eigentlich getan hast, weil du mich einfach nicht mehr liebst, dann…“ Ich muss heftig schlucken. „dann merk es lieber jetzt. Jetzt kann ich das noch aushalten, aber wenn ich dabei bin mein Herz wieder zusammen zu flicken und du es dann wieder auf den Boden schmeißt, dann weiß ich nicht, ob ich es noch einmal reparieren kann.“ Mittlerweile spreche ich nur noch ganz leise, sodass ich mir nicht sicher bin, ob er mich überhaupt noch hören kann.
Der Schock ist in sein Gesicht geschrieben und es scheint, als würde er erst gerade verstehen, was er eigentlich angerichtet hat. Sämtliche Farbe ist aus seinem Gesicht gewichen und einen absurden Moment mache ich mir sorgen, dass er womöglich zusammenbricht. Doch dann rufe ich mir ins Gedächtnis, dass er dazu kein Recht hat. Ich hätte ein Recht dazu, denn ich wurde betrogen, aber er hat da absolut kein Recht zu.
„Es tut mir leid, bitte glaub mir! Ich liebe dich, wirklich, ich liebe dich über alles! Oh scheiße! Scheiße, scheiße, scheiße!“, verzweifelt rauft er sich die strubbeligen, braunen Haare, sodass sie nur noch mehr in alle Richtungen abstehen und ich mich regelrecht beherrschen, um nicht mit meinen Fingern dadurch zu fahren.
„Du sagst es: Scheiße! Verrate mir nur eins, eine einzige Sache.“, ich halte inne und warte darauf, dass er mich anguckt. Anguckt mit seinen wunderschönen, und mir vertrauten, grauen Augen. „Wieso?“
Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich jemals in dieser Situation stecken würde. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass in der Lange wäre so wütend und traurig gleichzeitig zu sein. Aber vor allem hätte ich nie im Leben gedacht, dass mein Felix, mein Freund seit über drei Jahren, dazu in Lage ist mich so derart zu verletzen. Ich habe immer gesagt, dass Fremdgehen in einer gewissen Grenze und, wenn er sofort beichtet, noch irgendwo zu verzeihen ist. Felix wusste das und ich habe das auch wirklich so gemeint und bis vor wenigen Stunden war ich auch noch fest davon überzeugt. Die Bedingungen waren simple. Erstens war es ohne Gefühle. Zweitens verheimlicht er es nicht. Drittens musste es eine einmalige, nicht geplante Sache sein, sozusagen ein Ausrutscher. Und viertens, bis gerade war mir dieser Punkt allerdings nicht klar gewesen, wollte ich die Person nicht kennen.
Streng gesehen hat er alle ausgesprochenen Bedingungen eingehalten. Laut Felix waren keine Gefühle im Spiel, er hat es mir relativ sofort gebeichtet und es war eine einmalige Sache. Aber ich hatte keine Ahnung, dass es so wehtun würde. Gleichzeitig wird mir bewusst, dass wenn er die letzte, vorher nicht bekannte Bedingung, eingehalten hätte, es zwar trotzdem geschmerzt hätte, aber ich wäre drüber hinweg gekommen.
Verloren schaut er durch die Gegend, setzt sich dann auf den Boden an die Wand gelehnt und vergräbt sein Gesicht in den Händen.
Bevor er antwortet korrigiere ich meine Frage: „Wieso sie?“
Jetzt schaut er doch auf und mir direkt in die Augen: „Ich kann dir nur tausend Mal sagen, wie leid es mir tut!“
„Wieso SIE?“
„Sie war einfach da. Ich war alleine und sie war da. Benny, es tut mir so unglaublich leid und wenn ich könnte würde ich die ganze Sache ungeschehen machen. Ich liebe dich! Ich bin ein Arsch und ich habe dich nicht verdient, aber ich liebe dich und will dich nicht verlieren!“ Ein seltsames Geräusch dringt aus seiner Kehle und ich sehe, wie regelrechte Bäche aus seinen Augen hervorquellen. Unsicher, ob ich sauer sein kann, wenn er weint, setze ich mich mit Abstand neben ihn auf den Boden.
Ich liebe ihn auch, das habe ich schon immer. Und sein ganzes Auftreten verrät mir, dass es ihm wirklich Leid tut und dass er definitiv nicht vor hat mich zu verlassen. Meine Wut auf ihn flaut ein wenig ab. Tief in mir drin merke ich, dass er mich zwar verletzt hat, aber dass meine Wut nicht gegen ihn gerichtet ist, sondern gegen sie. Mein, bis vorhin noch geglaubte, beste Freundin.
Fast ohne es zu merken rutsche ich immer näher an ihn heran, bis ich seine Wärme spüren kann. Seine mir so bekannte wärme lullt mich ein und sein himmlischer Geruch steigt mir in die Nase. Diesmal ohne es zu merken, lege ich mein Kopf auf seine Schulter. So bleiben wir eine ganze Ewigkeit sitzen. Ohne uns zu bewegen weinen wir uns beide die Augen aus dem Kopf.
Ich weiß nicht wie lange es dauert, bis ihm verziehen habe, aber ich weiß, dass ich unsere Liebe nicht aufgeben werde. Denn ich liebe ihn!


See you, Saskia xxx

p.s. Entschuldigung, wenn ich im Moment so wenig schreibe, aber ich brauche gerade einfach ein bisschen Zeit für mich. Wenn die Schule nächste Woche anfängt, und somit auch der gewohnte Alltagstrott, dann werde ich auch wieder aktiver das Internet und meinen Blog durchstöbern. Trotzdem werde ich gucken, ob ich noch was von meiner Liste abarbeiten kann!

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